Tavannes

Inhaltsverzeichnis

1. Fixpunkt eines Reisefreudigen
1.1. Impressionen im Ort
1.2. Impressionen in/aus der Umgebung
2. Tavannes «extra muros»
2.1. Tunnel et fort de Tavannes
2.2. Clos de Tavannes, Santenay
2.3. Château de Tavannes
3. Quellen

Fixpunkt eines Reisefreudigen

Auch als Gerne-Reisender ist ein Fixpunkt wichtig – zumindest ist es das für mich. Seit 2014 ist dieser Fixpunkt Tavannes, eine Ortschaft angenehmer Grösse (2020 → 3'485 Einwohner) im Berner Jura – nicht mehr Dorf, noch nicht Stadt. Tavannes ist gut erschlossen und bietet alles an Grundversorgung wie auch für den täglichen Bedarf.

Wenn es etwas mehr sein soll, so ist man mit dem ÖV wie auch mit dem Auto in zwanzig Minuten in Biel. Andererseits gelangt man über die Autobahn A16 in einer knappen Stunde via Boncourt/Delle nach Frankreich.
Und (noch) gibt es kein einziges Lichtsignal im Ort, dafür aber genügend Parkplätze.

Tavannes gehört schon zum französischsprachigen Bereich des Kantons Bern, aber ein Teil der Bevölkerung ist deutsch- oder zweisprachig. Also ist man als Suisse-toto nicht ganz verloren. Der Ortsteil Le Petit Bâle (Kleinbasel) weist darauf hin, dass das Bistum Basel hier einmal eine gewichtige Rolle spielte. Während der napoleonischen Ära gehörte die Region zu Frankreich, wurde aber durch den Entscheid des Wiener Kongresses 1815 dem Kanton Bern zugeteilt.
Dachsfelden ist der deutschsprachige Name des Orts, dieser wird aber kaum noch verwendet.

In der Südwestecke Tavannes’ – am Fuss des Pierre Pertuis – entspringt die Birs, die 75 km später in Basel in den Rhein mündet.
Der Col de Pierre Pertuis war schon zu Römerzeiten ein vielbenutzter Passübergang in der wichtigen Verbindung von Petinesca im Seeland zu den Städten am Rhein. Davon zeugt noch heute eine Tafel an dem natürlichen Felsentor oberhalb des Orts.

Mit 750 bis 820 m ü. M. liegt Tavannes oft über dem Nebel und die beiden südlich liegenden Höhenzüge schirmen das Vallée de Tavannes zusätzlich vom Nebel im Seeland ab. Alles in allem somit eine durchaus l(i)ebenswerte Ortschaft.

Impressionen im Ort

Wohnen, Gewerbe, Dienstleistung

                           
                  

Industrie

               

Impressionen in/aus der Umgebung

               

nach oben zum Inhaltsverzeichnis


Tavannes «extra muros»

Auf den Namen Tavannes stösst man auch abseits der Ortschaft, doch die Frage war:
Gibt es denn Gemeinsamkeiten?

Tunnel et Fort de Tavannes

Zufällig stiess ich auf ein historisches Foto mit der Beschriftung «Tunnel de Tavannes». Ein Vergleich mit den Tunnelportalen der Eisenbahnstrecke von Sonceboz nach Moutier machte aber klar, dass es nicht um diesen Tunnel gehen kann, der übrigens offiziell mit Tunnel de Pierre Pertuis bezeichnet wird.

Rasch war klar, dass es sich dabei um den Eisenbahntunnel bei Verdun (Département Meuse, Frankreich) handelt, der 1874 fertiggestellt wurde und oberhalb dessen zum Schutz auch ein Fort gebaut wurde.
In diesem Zusammenhang taucht der Name Gaspard de Saulx, seigneur de Tavannes, maréchal de France (1509-1573) auf, der Mitte des 16. Jahrhunderts beauftragt worden war, die Befestigung von Verdun an die Hand zu nehmen. Gaspard war der zweite Sohn von Jean de Saulx, der eine gewisse Marguerite de Tavannes geehelicht hatte (siehe Château de Tavannes auf der Siegfriedkarte).

Die Namensgebung von Tunnel und Fort geht also auf Namen und Titel dieser Familie zurück, womit ein direkter Zusammenhang zur Ortschaft Tavannes besteht.

Tunnel

Der Tunnel de Tavannes ist Bestandteil der Eisenbahnstrecke von Saint-Hilaire-au-Temple nach Hagondange. Er besteht aus zwei Röhren, wovon nur noch eine in Betrieb ist. Der erste Tunnel wurde 1874 fertiggestellt, kurz nach dem Deutsch-Französischen Krieg, der zweite erst 1936. Der Tunnel ist 1'196 Meter lang, die beiden Röhren sind von Süden her alle 100 Meter durch Querstollen verbunden.
Beim Bau der zweiten Röhre mussten Abschnitte der ersten Röhre mit Betonbogen gestützt werden. Es bestand Einsturzgefahr, welche die neue Röhre hätte gefährden können.

Die alte Röhre ist heute ohne Geleise und kann durchschritten werden. Ungefähr in Tunnelmitte wurden 1914 drei grosse Buchten zur Unterbringung von Personal, einer Kommando- und Sanitätsstelle und Munitionslagerung angelegt – der Tunnel war während des Ersten Weltkriegs für den Bahnbetrieb stillgelegt worden.
Und scheinbar wollten die Deutschen diese Röhre Ende des Zweiten Weltkriegs noch nutzen, um V2 zu lagern (Nachschublager 1404) – am Südwestende ist das dazu schon gebaute Roll-Panzertor noch vorhanden.

      

Am 4. September 1916 ereignete sich ein tragisches Unglück, bei dem mutmasslich über 500 Menschen zu Tode kamen – eine genaue Zahl ist nicht bekannt.
Ursache war ein Brandausbruch am Munitionsdepot beim Südwestportal des Tunnels. Wegen starker Winde wurde das Feuer in den Tunnel getragen, der erst nach zwei Tagen wieder betreten werden konnte.

Fort

Mit den Bauarbeiten zum Fort de Tavannes wurde zeitgleich mit dem Tunnelbau begonnen, nachdem die Deutschen Verdun nach dem Deutsch-Französischen Krieg noch bis zum Herbst 1873 besetzt gehalten hatten. Es war die erste freistehende Festung zum Schutz von Verdun.
Das Fort trug zuerst den Namen Fort du Bois-Brulé, benannt nach der bewaldeten Anhöhe, auf der es errichtet wurde. Erst durch ein Dekret im Januar 1887, durch das alle Befestigungen die Namen von ehemaligen militärischen Führungspersonen tragen sollten, erhielt es den Namen Fort de Tavannes (kurzzeitig auch den Namen Fort Mouton).

Im Gegensatz zu anderen Forts im Raum Verdun wurde das Fort de Tavannes wegen seiner starken Zerstörung der Natur überlassen und ist deshalb für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Es ist auch aus der Luft nur noch schwer erkennbar.

Monument aux Fusillés de Tavannes (August 1944)

Eine weitere Tragödie ereignete sich beim Abzug der Deutschen aus Verdun Ende August 1944 nahe des Tunnel-Nordostportals, während die Alliierten schon in den Raum Verdun vorgerückt waren. Sechzehn Widerstandskämpfer wurden von den Deutschen erschossen und in einem Graben verscharrt.

Details zu diesem Vorfall sind nicht bekannt, denn entdeckt wurden die nur unzulänglich bedeckten Leichen erst am 22. Dezember zufällig durch einen SNCF-Mitarbeiter. In Verdun stellte sich bei der Obduktion heraus, dass es sich um Personen handelte die in Gestapohaft einsassen und die bei Herannahen der Alliierten von der Gestapo aus dem Gefängnis verschleppt und hingerichtet worden waren.
(Verdun lag während der deutschen Besatzung in der von den Franzosen sogenannten «Verbotenen Zone» und war Sitz einer Gestapo Kreiskommandantur sowie des Lagers Frontstalag 240.)

Hinweis: Zum Monument aux Fusillés de Tavannes entsteht ein eigener Artikel (in Vorbereitung).

Clos de Tavannes, Santenay

Ein Bekannter machte mich darauf aufmerksam, dass es auf dem Gebiet der Gemeinde Santenay – einem bekannten Weinbaugebiet im Département Côte-d’Or in Frankreich – ein Clos de Tavannes gibt.

Das kleine, nur 5,3 Hektar umfassende Clos de Tavannes liegt im Nordosten der Ortschaft und trägt vorwiegend Trauben der Sorte Pinot Noir und einen kleinen Anteil Chardonnay. Direkt daneben beginnt das Gebiet der Gemeinde Chassagne-Montrachet.

Auch hier geht die Namensgebung auf die Familie Saulx de Tavannes zurück, die einmal Besitzerin dieses Clos war.

Château de Tavannes

In Aisey-sur-Seine im Département Côte-d’Or (F) steht ein Château de Tavannes. Dieses wird auf der Landeskarte von Géoportail komischerweise als Château de Chavannes bezeichnet, in der Base Mérimée (PA00112052) jedoch als Monument historique unter Château de Tavannes geführt.
Ein Zusammenhang mit der genannten Familie de Saulx ist naheliegend, dem bin ich aber nicht nachgegangen.
Hinweis: Zum ehemaligen Château de Tavannes bei der Ortschaft Tavannes, siehe auf der Siegfriedkarte.


Quellen