It all began with SwissAir …

… oder wie eine junge Journalistin mitten im Sommer im Berner Jura eine kleine Lawine losgetreten hat.


Was hat ein englischer Text auf einer Gedenktafel in einer Geschichte im Kanton Bern zu suchen? Wie wir wissen, folgt Geschichte und folgen Geschichten manchmal verschlungenen Pfaden.

Juli 2018, in Beat Kuhns Aperçus im Bieler Tagblatt (BT) erschien unter dem Titel «Das Geheimnis der goldenen Tafel» der Hinweis auf eine mysteriöse Gedenktafel, welche sich in den Felsen am Graitery oberhalb von Moutier befindet. Der Hinweis stammte von Nadja Rohner, Regionalredaktorin der Aargauer Zeitung, welche die Tafel auf einer Wanderung entdeckte, jedoch keine Informationen dazu finden konnte. Gefragt war nun also die Leserschaft der lokalen Zeitung.

Wohl wissend, dass ich nichts zur Klärung beitragen konnte, interessierte mich doch, wo diese Tafel lag, was es mit dem eigenartigen Inhalt auf sich hatte und wann und weshalb die Tafel mitten in der Wildnis angebracht worden war. Also erkundigte ich mich bei Nadja Rohner über den Verlauf ihrer Wanderung und nahm mir vor, bei Gelegenheit mal auf den Graitery zu steigen.

Am 28. August 2018 erschien ein kleiner Bericht im BT. Darin wurde von der bis dato erfolglosen Suche geschrieben, an der auch die Swiss und die US-Botschaft beteiligt waren. Allerdings hatte die Namenssuche im Internet zum Nationalfriedhof Arlington bei Washington D.C. geführt, wo drei Personen mit dem auffälligen Familiennamen Yevich begraben liegen. Zufall? Arlington? Auf diesem Friedhof liegt ja nicht irgendwer begraben, sondern Persönlichkeiten die in der US-amerikanischen Geschichte eine gewisse Bedeutung haben.
Also konnte dieser Steven Yevich nicht ganz bedeutungslos gewesen sein. Aber es erklärte immer noch nicht den Inhalt und die Lage der Tafel. Weitere Monate verstrichen … und ich war immer noch nicht auf dem Graitery gewesen.

Am 6. Juni 2019 dann der dritte Beitrag zur mysteriösen Tafel. Kein Zufall, dass dieser Artikel ausgerechnet am D-Day, zum 75. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie, erschien! Es hatte sich mittlerweile herausgestellt, dass Steven Yevich als US-Armeeangehöriger im Rahmen dieser Landungsvorbereitungen am 25. Mai 1944 nach Grossbritannien gekommen war und bis zu seinem Einsatz im Juli in Frankreich im Grossraum London warten musste.
Zu gleicher Zeit absolvierte die Bauerntochter Marie Rose Gafner aus Moutier in Birmingham eine Anstellung als Au-pair um die Sprache zu lernen – ihr Wunsch war, Stewardess bei der Swissair zu werden. Das alles brachte schon etwas Licht ins Dunkel, aber alle Fragen um die Tafel waren damit längst noch nicht gelöst!

Es wurde also höchste Zeit, sich mal nach der Tafel selbst umzusehen. Am 24. Juni 2019 versprach das Wetter für den kommenden Tag gut zu sein. Dass es einer der heissesten Tage des Sommers werden sollte, ahnte ich noch nicht.
Also machte ich mich am 25. auf um zum Graitery aufzusteigen. Zum Glück verläuft der Weg, nachdem man die Häuser von Moutier hinter sich gelassen hat, vorwiegend im Schatten des Waldes. Und natürlich wurde mein Blick von jedem grösseren Fels am Wegrand gefangen: wo war die Tafel? Wenn man etwas höher steigt, erreicht man eine wunderschöne Aussicht auf Moutier und in die dahinter liegenden Gorges, wo ich mich auch schon wegen der «Dino-Disco» an der Arête du Raimeux rumgetrieben hatte.

Endlich sehe ich eine Tafel … es ist aber nicht die, die ich suche. Sie erinnert an die Personen, die den Weg angelegt haben und ihn instand halten. Also weiter. Endlich sehe ich sie vor mir, unscheinbar, nur etwa 30 x 17 cm gross. Schön! Allerdings ist der Erkenntnisgewinn gleich Null, denn was ich auf der Tafel sehe, war ja auf dem Foto von Nadja Brunner von 2017 schon zu erkennen.
Trotzdem, der Ausflug auf den Graitery lohnt sich, alleine wegen der schönen Umgebung und Aussicht … man muss sich dazu ja nicht gleich den heissesten Tag aussuchen. Aber wie weiter jetzt in der Sache Yevich-Gafner?

Es sollte noch weitere Monate dauern bis endlich am 30. Januar 2020 die Lösung des Rätsels im BT publiziert wurde. Wesentlich zur Klärung des «Falls» beigetragen hatte BT-Leser Werner Liechti. Seiner hartnäckigen Neugier ist es zu verdanken, dass die fehlenden Puzzleteile zusammenfanden! Und Kommissar Zufall spielte auch hier eine Rolle.
Für mich ein schönes Beispiel, weshalb es sich lohnt, ein lokales Tages-Printmedium zu lesen. Neben der Informationsflut die uns täglich überrollt, Wissens- und Sehenswertes aus unserer näheren Umgebung zu erfahren – mit Liebe zum Detail recherchiert.

Die ganze, spezielle Geschichte kann in den nachstehend verlinkten BT-Artikeln nachgelesen werden.

Doch halt! … da war noch was?
Weshalb die Gedenktafel hoch über dem Ort im Niemandsland steht, blieb noch offen. Steven J. Yevich hat die Frage im März 2020 beantwortet und diese Antwort ist in obigem Bild von Moutier ersichtlich: rechts der Bildmitte steht auf offenem Feld der Hof «Sur Chaux». Vom Graitery hat man wunderbar freie Sicht darauf … auf den Hof der Familie Gafner!


Quellen