V1-Feuerstellung 660

Bois Carré; Département Somme

 Örtlichkeit  Detail  Situation  Abteilung  Nr.  Art
 Yvrench  Bois Carré  16 km NW Abbeville  II  59/660  SaB

Die Stellung Bois Carré, 1,4 km östlich von Yvrench, war die erste von der alliierten Aufklärung enttarnte V1-Stellung. Mitverantwortlich für die Informationsbeschaffung war der französische Widerstandskämpfer André Comps, der als Angestellter der ausführenden französischen Baufirma vor Ort heimlich Skizzen und detaillierte Zeichnungen erstellte und diese nach London senden konnte. André Comps war Mitglied der Widerstandsgruppe «Agir», die von Michel Hollard gegründet und geleitet wurde.
Diese Stellung diente in der Folge der Namensgebung für die erste Serie von massiv gebauten V1-Stellungen, sprach/schrieb man doch gemeinhin von Stellungen des «Bois Carré-Typs». Bois Carré war die zweite V1-Stellung in Frankreich die ich (2009) im Detail erkundete.

Der Wald ist mittlerweile im Osten rund 56 m weitergewachsen und schliesst die im Krieg freiliegenden zwei äusseren Vorratslager mit ein. Von den meisten Gebäuden sind Reste in mehr oder weniger gutem Zustand erhalten. Der ganze Wald ist jedoch in den Sommermonaten von der Vegetation stark zugewachsen, an einigen Stellen ist kaum ein Durchkommen.

Links des Walds, nahe an der D 267, steht das Eingangslager. Zaloga lokalisiert es fälschlicherweise (auch noch in einer Publikation von 2018) in der südwestlichen Zufahrt im Wald, was eventuell durch das IWM-Foto HU 92983 beeinflusst wurde – ob er je vor Ort war? Im südlich-zentralen Bereich des Walds, mit Anschluss an die D 267, liegt die Umsetzanlage und ein Abstellplatz für Transportfahrzeuge. An die Umsetzanlage schliesst nördlich das Montagehaus an, westlich davon liegt der D-Bau, das Stofflager, die Betriebswasserzisterne und das Wasserbecken. Östlich an der D 267, noch innerhalb der damaligen Waldbegrenzung, liegt ein Vorratslager (Ski). Die anderen zwei liegen etwas östlicher, damals ausserhalb des Walds.
In der Nordostecke des Walds steht das Richthaus, mit gleicher Orientierung wie die Startrampe. An der nordwestlichen Ecke sind noch die Schutzmauern der Startrampe zu sehen, die etwas aus dem Wald ragen.

Montagehaus und Richthaus sind noch gut erhalten, ebenso der innere Ski und die Schutzmauern der Rampe. Alle anderen Bauwerke sind mehr oder weniger stark zerstört, respektive verfallen/überwuchert. Einzelne Abschnitte der betonierten Verbindungswege sind sichbar, vor allem dort, wo sie am Rand von Bombentreffern freigelegt sind. Das meiste ist jedoch überwachsen.

Baubeginn dieser Stellung war im Herbst 1943. Bois Carré war wie die meisten V1-Stellungen der alten Bauart nie operationell. Ein erstes Mal wurde Bois Carré bereits am 31. Dezember 1943 von den Allierten angegriffen (Mission 125 A-H).

Bois Carré? … oder doch nicht?

Nebenstehendes Bild zeigt doch eindeutig die FSt 660 … oder etwa doch nicht?

Die USAF baute nach ersten Aufklärungsflügen die Feuerstellung 660  auf dem Eglin Proving Ground in Kalifornien (USA) weitgehend nach. Diese 1:1-Anlage diente dem Training von Bomberbesatzungen unter realen Bedingungen.
Leider liess sich der Standort auf dem weitläufigen Gelände bis jetzt noch nicht eruieren.

Eglin Proving Ground (nordwestlich der Eglin Air Force Base) war ein riesiges Testgelände, das im Zweiten Weltkrieg eingerichtet wurde, um der Air Force – vielleicht auch der RAF – Versuche und Trainings mit Flugzeugen und Waffensystemen in weitgehender Abgeschiedenheit zu ermöglichen.

Galerie

Die Aufnahmen dieser Seite machen deutlich, dass die Sommermonate wegen der Vegetation für den Besuch von V1-FSt nicht ideal sind.