V1, Fieseler Fi 103

Einstieg

Diese Seite gibt einen Überblick über das Gerät und seine Startanlagen. Weitere Informationen finden Sie in den entsprechenden Unterseiten, insbesondere zu den einzelnen erkundeten Feuerstellungen in den verschiedenen Einsatzgebieten in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

1. Bezeichnung
2. Beschreibung und technische Daten
3. Entwicklung und Erprobung
4. Einsatz
5. Die Feuerstellungen
5.1. Bauweise der Feuerstellungen
5.1.1. Alte Bauart
5.1.2. Vereinfachte Bauart
5.1.3. Wasserwerke
6. Versorgungsstellen
7. Erinnerungen eines Zeitzeugen
8. Weiterführende Informationen


Bezeichnung

Die offizielle Bezeichnung der V1 ist Fieseler Fi 103, Tarnnamen waren FZG 76 (Flakzielgerät 76), Kirschkern, Krähe oder Maikäfer. Von den Alliierten wurde sie Doodlebug, Buzz bomb oder Arse-alight genannt.


Beschreibung und technische Daten

Die Fi 103 war ein unbemanntes Fluggerät, ausgelegt als freitragender Mitteldecker und angetrieben von einem Verpuffungsstrahltriebwerk. Die Nutzlast betrug in den Standardversionen 830 kg und das Gerät wurde durch einen Autopilot der Richtung und Flughöhe regelte in den Zielraum gesteuert. Nach Erreichen der vorgegebenen Distanz wurde die fliegende Bombe gezielt in einen steilen Abstieg geleitet und der Sprengstoff durch ein 3-fach ausgelegtes Zündersystem zur Explosion gebracht.

Detaillierte Beschreibungen der V1 und deren technische Daten gibt es in Literatur und im Netz zuhauf – siehe Literatur und hier im Abschnitt Weiterführende Informationen.

      

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Entwicklung und Erprobung

Entwickelt wurde die V1 durch Robert Lusser in den Gerhard-Fieseler-Werken, das Verpuffungsstrahltriebwerk von Fritz Gosslau bei der Argus Motoren Gesellschaft und das Flugleitsystem durch die Askania Werke. Die V1 war ein Projekt der Luftwaffe. Getestet wurde die V1 primär in der Erprobungsstelle der Luftwaffe Peenemünde-West.

Die Situation der Versuchs-Startrampen auf dem Gelände der Strand-Wiese ist nicht eindeutig, auch Sekundärliteratur trägt nicht zur Klärung bei. Durch Sichtung von alliierten Luftaufnahmen und dem Vergleich mit den noch vorhandenen Anlageresten vor Ort liess sich jedoch eine Klärung der Situation erarbeiten – siehe nebenstehende Analyse.

Am südöstlichen Ufer des Grossen Plöner Sees bei Bosau testete die Firma Walter verschiedene Startrampentypen.

Ein weiteres Testgelände befand sich zwischen Zinnowitz und Zempin, das sich ebenfalls auf der Halbinsel Usedom befindet. Da und bei Brüsterort (heute Majak, Oblast Kaliningrad) wurden auch die Einsatztruppen für Frankreich geschult.

Auf dem Testgelände des SS-Truppenübunsplatzes «Heidelager» bei Blizna im Südosten Polens wurden die scharfen Tests durchgeführt, das Zielgelände befand sich ca. 50 km östlich von Lublin.

Weitergehende Informationen siehe Unterseite Entwicklung, Erprobung und Ausbildung.

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Einsatz

Geplante Einsatzgebiete der V1 waren die küstennahen Regionen Nordfrankreichs in den Departementen Nord, Pas-de-Calais, Somme, Seine-Maritime und Manche (I. bis VIII. Abteilung). Vorgesehene Ziele waren in erster Linie die Stadt London, aber auch Hafen- und Industriestädte wie Southampton, Portsmouth, Bristol und Plymouth.
Nach der Landung der Alliierten fielen jedoch die Stellungen westlich der Seine für einen Einsatz weg, begannen doch die V1-Einsätze in den ersten Stunden des 13. Juni 1944, also eine Woche nach Beginn der Invasion.
In Belgien wurden noch Stellungen geplant und gebaut, die jedoch nur noch beschränkt zum Einsatz kamen (IX. Abteilung).

Ab 8. August 1944 fanden auch V1-Starts ab Trägerflugzeugen statt. Benutzt wurde dazu vorwiegend die Heinkel He 111 H-22, einer speziell für diesen Einsatz (um)gebauten Variante des deutschen Standardbombers. Diese Einsätze erfolgten ab Flugfeldern in Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland.
Nachdem sich die Deutschen aus Nordostfrankreich und Belgien zurückziehen mussten, waren Starts ab Trägerflugzeugen die einzige Möglichkeit, London noch mit der V1 zu erreichen. Allerdings war die Treffergenauigkeit mit diesen Luftstarts nochmals schlechter als die der Flugbomben die ab Rampen gestartet wurden.

Ab September 1944 wurden mit fortschreitendem Rückzug auch Antwerpen und weitere Städte in Belgien und Nordwestfrankreich Ziel der V1. Diese wurden aus Stellungen in Holland, in der Eifel, sowie rechts des Rheins gestartet.
Von Holland aus gelangte mit einer reichweitengesteigerten Version der V1 London ab Februar 1945 noch einmal ins Visier der Flugbombe (Unternehmen Pappdeckel).

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Die Feuerstellungen

Erstaunlich ist, mit welcher Verbreitung die V1 eingesetzt werden sollte. Dazu wurden zwischen Belgien und den französischen Departementen Nord und Manche mehrere hundert Anlagen errichtet. Später dann auch noch im Rahmen des Zweiteinsatzes in den Niederlanden und in Deutschland.

Und erstaunlich ist auch, wieviel von diesem riesigen Bauaufwand, der nur zu einem sehr kleinen Teil zum Einsatz kam, noch bis heute zu finden ist. Neben dem Verständnis der V1-Technik und deren Entwicklung wurden für mich diese Lost places zu interessanten Zielen.

Bauweise der Feuerstellungen

Im Verlauf des Baus der ersten Feuerstellungen wurden diese schon durch französische Widerstandskämpfer und die alliierte Luftaufklärung enttarnt und relativ rasch auch bekämpft. Dies führte zur Planung und Umsetzung von leichter gebauten Feuerstellungen, die aus weniger massiven Bauwerken bestanden, sich besser in bestehende geografische Gegebenheiten integrieren liessen und somit auch besser zu tarnen waren.

Man unterscheidet deshalb Feuerstellungen alter Bauart und vereinfachter Bauart. Letztere wurden im Verlauf der Bautätigkeiten und der gemachten Erfahrungen ständig weiter vereinfacht und erreichten ihren einfachsten Stand im Zweiteinsatz aus den Niederlanden und von deutschem Gebiet aus.

Alte Bauart

Die frühen V1-Feuerstellungen wurden in Massivbauweise erstellt, d. h. sämtliche Bauwerke einer Stellung wurden in massiver, gemauerter Ausführung errichtet, wo notwendig, mit entsprechender Armierung. Zum Teil sind die Bauwerke in Beton ausgeführt, zum Teil aus vorgefertigten Betonblocksteinen gebaut. Die Decken sind meist in Beton gegossen. Ausnahme dabei war der amagnetische Richtbau, welches von seiner Funktion her keinerlei Eisen beinhalten durfte. Man findet Richtbauten aus Beton, Betonblocksteinen oder Backstein. Keine der noch stehenden Ruinen hat ein Dach, die Richtbauten dürften nur mit einer Holzkonstruktion und Dachpappe abgedeckt gewesen sein.
Von den Alliierten wurden diese Stellungen wegen der auffälligen Form der Vorratslager, die einem Ski ähnlich sahen, als «ski sites» bezeichnet.

Die wichtigen Bauwerke und ihre Funktion:

  1. Umsetzanlage
    Die Umsetzanlage war ein grösserer betonierter Platz auf dem die Geräte mit LKWs angeliefert und mittels eines Portalkrans auf Transportwagen TW 76 umgeladen wurden.
  2. Eingangslager
    Ein langgestreckter Massivbau aus Block- oder Ziegelsteinen mit betoniertem Dach zur geschützten Aufnahme von angeliefertem Material. Länge zwischen 15 und 30 Meter, ein Ende geschlossen, das offene Ende mit Toren. Im Cotentin oft mit Schutzmauern im Eingangsbereich.
  3. Montagehaus
    Der Massivbau von 21,4 x 8,3 Metern aus Blocksteinen diente der Vormontage der Geräte. Gedeckt war das Montagehaus mit einem Satteldach. Auf einigen der Bauten wurden Schein-Dachgeschosse aufgesetzt, so dass sie einem Wohnhaus ähnlich sahen.
    Für den Transport waren die Tragflächen und das Hecksegment mit durchgehendem Höhenleitwerk am hinteren Ende des Rumpfs mit speziellen Vorrichtungen montiert. Das Hecksegment mit Höhenleitwerk wurde im Montagehaus montiert, alle mechanischen, elektrischen und pneumatischen Verbindungen zu den Ruderservos und dem Abstieggerät angeschlossen und die Tragflächen wie das Gerät selbst auf einen Transportwagen TW 76 gesetzt – die Tragflächen immer noch längs am Rumpf anliegend, ebenso der Holm. Ebenfalls wurden da die zwei Druckluftbehälter befüllt.
    Das Montagehaus war längs in zwei Bereich geteilt. Der breitere, durchlaufende Bereich war der eigentliche Montagebereich mit breiten Toren an beiden Enden. Somit konnte das Gerät im Durchlauf bearbeitet werden. Die Umsetzung der Geräte erfolgte mittels eines Flaschenzugs, der an der Decke befestigt war. Der links liegende schmalere Bereich war in sechs Räume aufgeteilt und enthielt Werkstätten und technische Büros.
    Alle demontierten Transportsicherungen und -hilfen wurden an die  Versorgungsstelle retourniert zur weiteren Verwendung.
  4. Dampferzeugerbau und Maschinenhaus (D-Bau)
    In gleicher Bauweise wie das Montagehaus errichtet, war dieser Bau dreigeteilt. Ein Raum diente der Unterbringung der Dampferzeuger, die da mit T- und Z-Stoff befüllt wurden und nach dem Einsatz mit Wasser von Rückständen der chemischen Stoffe befreit werden mussten. Dazu gab es zwei nebeneinanderliegende Standplätze mit Leitschienen wie an der Startrampe und Abläufen im Boden für das kontaminierte Wasser.
    Der zweite Raum war für den Kompressor der die Druckluft erzeugte, der dritte enthielt einen Stromgenerator.
  5. Stofflager
    Das Stofflager enthielt die beiden chemischen Reaktivstoffe für den Dampferzeuger in zwei getrennten Räumen mit separaten Zugängen. Da diese Stoffe kühl gelagert werden mussten, war dieser betonierte Bau öfters etwa zur Hälfte im Boden eingelassen. Im kleineren Raum war der Z-Stoff (Kaliumpermanganat, KMnO4), im grösseren der T-Stoff (Wasserstoffperoxid, H2O2) gelagert.
  6. Löschwasserbehälter
    In Nähe des D-Baus liegend, enthielt das 10 x 10 m messende Becken 200 m3 unbehandeltes Wasser, das Lösch- und Reinigungszwecken diente, jedoch nicht der Reinigung der Dampferzeuger.
    Das Becken war 4 m tief und hatte um 35° geneigte Seitenwände.
  7. Betriebswasserzisterne
    Dieses Wasserreservoir in Betonbauweise enthielt drei Räume: der grösste, ein Reservoir von 65 m3, enthielt das zulaufende Wasser, der zweite ein Reservoir von 8 m3 mit dem demineralisierten Wasser und der dritte die notwendigen Pumpen.
    Dieses behandelte Wasser wurde für die Reinigung des Katapults, der Dampferzeuger und allenfalls des Stofflagers verwendet. Über unterirdische Leitungen wurde das Wasser zum D-Bau, der Startrampe und dem Stofflager geführt.
  8. Vorratslager
    Die drei 84 m langen Bauten hatten denselben Querschnitt wie das Eingangslager und auch dieselbe Bauweise. Der gerade Teil war 68 m lang und konnte 7 Geräte aufnehmen. Der Eingangsbereich war gekrümmt um Schutz vor Beschuss oder Bombensplittern zu bieten. So entstand aus der Luft der Eindruck von auf der Seite liegenden Skiern, was zur englischen Bezeichnung «ski sites» führte.
    Am hinteren Ende gab es nur eine seitliche Türe für die Mannschaften. Auf der ganzen Länge befanden sich kleine Lüftungsöffnungen.
    Im gekrümmten Eingangsbereich – manchmal auf die ganze Länge des Innenbereichs – gab es eine leicht erhöhte beidseitige Schwelle die gleichzeitig Gehsteig und Leithilfe für den Transportwagen TW 76 war, damit die Geräte nicht mit der Wand kollidieren konnten.
    Im Cotentin hatten diese Bauten oft wie das Eingangslager Schutzmauern im Eingangsbereich.
  9. Amagnetisches Richthaus
    Markantester Bau der Feuerstellungen war das Richthaus, welches der Einstellung des Kompasses der V1 diente und gleich wie die Startrampe ausgerichtet war. Der 13,6 x 13,1 m messende Bau musste mit einem Minimum an Eisen auskommen. Somit verbot sich armierter Beton und auch innerhalb eines Radius von 35 m um das Richthaus wurde kein Eisen verbaut. Um trotzdem die Funktion des Baus zu gewährleisten, musste die Bauweise dementsprechend ausgelegt werden. Dies führte zu relativ dicken Mauern und Tragelementen.
    Auf dem Transportwagen wurde das Gerät auf den Vorplatz des Richthauses gefahren und man montierte die Flügel. Dann schob man den TW 76 auf Führungsschienen unter den zweiten Bogen. Nun wurde der Anstellwinkel justiert, danach das Höhenleitwerk eingestellt. Anschliessend hob man das fertig montierte Gerät mit einem Flaschenzug ab dem TW 76. Im Boden eingelassen war in diesem Bereich eine Winkelskala von beidseitig 62° auf einem Radius von 4,65 m, nach der nun der Kompass und der Autopilot auf das Ziel, oder beim Winkelschuss mit der entsprechenden Winkelkorrektur eingestellt wurden.
    Nach Abschluss der Einstellarbeiten wurde das Gerät auf den Zubringerwagen abgesenkt, mit dem die V1 zur und auf die Startrampe gefahren wurde. Vor dem Transport zur Rampe wurden noch die zwei Zünder eingesetzt, oft aber erst direkt an der Startrampe.
  10. Zünderbunker
    In der Regel zwei kleine Bunker, in denen die beiden mechanischen Zünder gelagert wurden. Nahe dem Richthaus mit Abstand untereinander angelegt und in zwei Varianten gebaut. Im Cotentin wurde auch schon eine einfache Version wie später bei den vereinfachten Stellungen gebaut.
  11. Kommandostand
    Ein im Boden eingelassener betonierter Bunker von 6 x 3,5 m Grösse. Er stand immer im Abstand von 8 m schräg hinter dem Hauptfundament, mit wenigen Ausnahmen links der Startrampe. Die Sicht auf das zu startende Gerät erfolgte durch einen Schlitz der mit einer schweren Panzerglasscheibe geschützt war. Unterhalb dieses Sehschlitzes war eine Halterung für das Kommandogerät an der Wand, über welches der Startvorgang kontrolliert und ausgelöst wurde. Das Kommandogerät war über unterirdisch verlegte Kabel mit dem Anlassgerät verbunden und dieses wiederum mit dem Dampferzeuger.
  12. Startrampe
    Die Startrampe war wegen ihrer Abmessungen neben dem Richthaus die auffälligste Installation einer Feuerstellung. Verankert war die Startrampe auf dem Hautfundament, einem Betonklotz von 10 m Länge, 4 m Breite und 2,5 m Höhe. Die stählerne Rampe hatte eine Länge von 49 m, eine Neigung von 6° und stand zusätzlich zum Hauptfundament auf acht stählernen Pendelstützen die wiederum auf Einzelfundamenten befestigt waren. Die Wirklänge der Rohrschleuder betrug 45 m.
    Geschützt war der ganze Bereich durch seitliche Mauern unterschiedlicher Bauart. Es waren diese markanten Schutzmauern, die die Anlage aus der Luft leicht erkennbar und somit die ganze Stellung leicht verletzlich machten.
    Rechterhand des Hauptfundaments war ein Sockel und Verankerungspunkte für einen Schwenkkran. Dieser Kran war ursprünglich zum Umsetzen des Geräts vom Transportwagen auf die Rampe gedacht. Mit Einführung des Zubringerwagens geschah dies jedoch direkt mittels des längs verschiebbaren Oberwagens.

  13. Schutzräume
    Ein bis drei halb oder ganz im Boden eingelassene Mannschaftsunterkunfts- resp. -schutzräume.
  14. Heizung
    Das Richthaus war im Normalfall teilweise unterkellert, in diesem Kellergeschoss befand sich eine Heizung. An Stelle der Unterkellerung des Richthauses entstanden im Cotentin separate Heizhäuser, die dann aber mit dem Richthaus über Rohrleitungen verbunden werden mussten.
  15. Unterstand für Trafo
    Ebenfalls eine Eigenheit der Anlagen im Cotentin ist dieser Bau, in welchem mittels eines Transformators die vom zivilen Stromnetz stammende Hochspannung auf die übliche Verbraucherspannung gewandelt wurde.
  16. Pumpstation
    Bei einigen Stellungen war der Wasserbezug nicht aus einem Leitungsnetz möglich. Es musste eine Pumpstation eingerichtet werden, um das Wasser aus vorhandenen offenen Gewässern oder Quellen zu gewinnen.

Einen guten Eindruck einer Gesamtanlage der alten Bauart vermitteln die Feuerstellung 623, Bois des Huit Rues bei Hazebrouck und etwas weiter im Westen die FSt 685, Val Ygot bei Ardouval, sowie seit 2019 die FSt 671, Ferme Beaulieu bei Campneuseville.

Vereinfachte Bauart

Nachdem die alliierte Aufklärung die mehr oder weniger nach Standardvorgaben erbauten Ski-Stellungen erkannt hatte und aus der Luft angriff, gingen die Deutschen zu einer leichteren Bauweise der Stellungen über, welche eine Fertigstellung der Anlage (Aufbau der Startrampe) erst kurz vor Inbetriebnahme ermöglichten. Zum Beispiel wurde anstelle des Richthauses über der betonierten Richtplatte nur noch eine Holzbaracke oder ein Zelt errichtet, das sich schnell aufbauen und leichter tarnen liess und somit die Luftaufklärung erschwerte.
Diese Stellungen wurden von den Alliierten als «Belhamelin-Typ» bezeichnet, benannt nach der ersten aufgeklärten Stellung dieser Bauweise beim Weiler Le Bel Hamelin südwestlich von Cherbourg.

Angesichts der immer schnelleren und besseren alliierten Aufklärung baute man am Schluss einen Stellungstyp, der als feste Bauwerke einzig die Richtplattform, Rampenfundamente und Fundamente für die wichtigten Bauten, sowie betonierte Wege kannte. Diese Stellungen wurden als «Hottot-Typ» bezeichnet, benannt nach der Stellung bei Hottot-les-Bagues südöstlich von Caen. Von diesem Typ waren auch die Stellungen in Belgien, Holland und zuletzt in Deutschland, in den letzten Monaten der Planung und des Baus von V1-Feuerstellungen.

Die wichtigen Bauwerke und ihre Funktion:

  1. Umsetzanlage
    Die Umsetzanlage war ein betonierter Platz auf dem die Geräte mit LKWs angeliefert und mittels eines Portalkrans entladen wurden. War oft und vor allem bei der zweiten Generation im betonierten Zufahrtsweg integriert.
  2. Montageplattform/Montagebau
    An Stelle des massiven Montagehauses wurde nur die Plattform betoniert und darauf allenfalls ein Holzbau errichtet.
  3. Dampferzeugerbau, Kompressorbau, Generatorbau (D-Bau)
    Diese Bauten waren zu Beginn weiterhin in Massivbauweise gebaut, manchmal als alleinstehende Bauten und nicht immer alle drei. Im Zuge weiterer Vereinfachungen wurden sie auch weggelassen.
  4. Stofflager
    Zuerst entsprachen die Stofflager der bisherigen Bauweise, jedoch mit reduzierter Wandstärke. Später wurden für T- und Z-Stoff getrennte, kleine Bauten erstellt. Und zuletzt wurden die beiden Reaktionsstoffe in einfachen, mit Blachen abgedeckten Erdgruben gelagert
  5. Wasserbecken
    Der benötigte Wasservorrat wurde nur noch in einem bis drei kleinen Wasserbehältern mit je etwa 3 m3 Inhalt gelagert. Demineralisiertes Wasser wurde nicht mehr verwendet.
  6. Amagnetische Richtplatte, Richtbau/Richtzelt
    Auch beim Richtbau wurde auf die Massivbauweise verzichtet. Basis war nur noch eine betonierte Plattform mit Aussparungen am Rand für Tragbalken der Baracke und solchen für die Führungsschienen, die Winkelskala plus eine selbsttragenden Holzkonstruktion zum Anheben des Geräts.
  7. Zünderbunker
    Die zwei Zünderbunker waren erst in ähnlicher Bauweise wie bei der alten Bauart, später nur noch betonierte, gedeckte Nischen, oder auch nur mit Blachen abgedeckte Erdgruben.
  8. Kommandostand
    Der Kommandostand wurde nun in variierender Bauform den örtlichen Gegebenheiten angepasst und weiterhin vereinfacht. Beim Zweiteinsatz war der Kommandostand oft nur noch eine mit Flechtwerk ausgekleidete Erdgrube.
  9. Startrampe
    Der Startrampe fehlten nun die auffälligen Schutzmauern. Das Hauptfundament war massiv verkleinert und hatte nur noch ein Volumen von etwa 20 m3. Das erste Einzelfundament war öfters mit dem Hauptfundament verbunden. Vermehrt wurde die Startrampe auch in abfallendes Gelände gebaut, Unebenheiten durch angepasste Einzelfundamente ausgeglichen – die Pendelstützen waren standardisiert.
    Bei wenigen ersten Anlagen der vereinfachten Bauart gab es sogar noch den Kransockel, der dann aber nicht mehr gebraucht wurde.

Einen guten Eindruck einer Gesamtanlage vereinfachter Bauart vermittelt seit 2019 die Feuerstellung 161, Poteau Montauban bei Blangy-sur-Bresle, sowie weitere FSt in dieser Region.

Wasserwerke

Eine Spezialstellung nahmen die unter dem Tarnnamen «Wasserwerk» geplanten und zum Teil gebauten Anlagen ein, welche sämtliche wichtigen Abläufe zwischen Anlieferung und Starten in riesigen Bunkern vereinen sollten.

Stellungen dieser Bauart waren Siracourt, Lottinghen, Brécourt, Couville und Tamerville. Keine dieser Stellungen kam zum Einsatz, Tamerville nicht einmal über die Trassierung der Bahnzufahrt hinaus.

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Versorgungsstellen

Die Versorgung der Feuerstellungen erfolgte aus in rückwärtigen Gebieten angelegten Versorgungsstellen. Diese waren entweder unterirdisch angelegt oder ebenerdig in weiträumig verteilten halbmassiven Schutzbauten.

Ein gutes Beispiel einer nicht zu weit westlich liegenden Versorgungsstelle (1001) ist bei Renescure nahe Saint-Omer zu finden, wo auch heute noch viele der zum Teil umgenutzten Lagerbauten stehen.

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Erinnerungen eines Zeitzeugen

Zwischen 2001 und 2009 hat Robert Dancy (GB), der als Junge die Kriegszeit in Hook Green, an der Grenze zwischen den Grafschaften Kent und East Sussex, 58 km südöstlich von Londons Zentrum verlebte, seine Erinnerungen aufgezeichnet.

Die deutschen Luftangriffe und dann auch die der V1 hat er hautnah erfahren, lag doch Hook Green im Anflugbereich der Stellungen der III. Abteilung des Flak-Regiments 155 (W). Freundlicherweise hat er mir seine Aufzeichnungen überlassen, um sie auf dieser Seite der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Dokument (©) kann hier als PDF heruntergeladen werden und ist speziell ab «Doodlebug Days» (Seite 12) von Interesse.

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Weiterführende Informationen

Geräte-Handbücher

Hier gibt es die originalen FZG 76 Geräte-Handbücher (die ich hier fand) als PDF zum herunterladen:
Stand: März 1944, Ausgabe: April 1944

Teil 1 Zelle 5,5 MB
Teil 2, Heft 1 Steuerung 5,5 MB
Teil 2, Heft 2 Logeinrichtung 0,9 MB
Teil 3 Triebwerk 1,6 MB
Teil 4 Zünderanlage 2,5 MB
Teil 5 Funkanlage 2,4 MB
Teil 6 Bedienungsvorschrift 1,9 MB
Teil 7 Prüfvorschrift 3,9 MB
Anhang Ersatzteilliste 2,9 MB

 Weblinks


 

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